Worte aus dem Feld
Ich füge mich dem Licht
Ein Faden von weit, weit her er kommt,
weiter als Lichtjahre entfernt.
So zart, hauchdünn, ist kaum zu sehen.
Klitzekleine Diamanten den Faden bilden, so schön.
Führt er hierher oder führt er zurück?
Beides ist’s, verspricht das Glück.
Diene dem Licht, es spricht.
Es braucht Pflege, Gespür.
Hüte mich, es spricht.
Für alles, das durch es spricht,
mach dich weit, tritt zur Seite,
sonst sieht es dich nicht.
Hier gibt es keine Kompromisse,
denn sonst bekommt der Faden Risse.
Wenn’s abreißt, taub und leer es ist.
Der Faden, so dünn er auch ist,
ist deine Hand, die dich führt.
Streichelt dein Haar, ist ganz für dich da,
verbindet, verflechtet sich mit dir.
Hier, hier, ruft es. Ich bin hier.
Der Faden, der diamantene Faden,
ein wunderschönes Sinnbild des Lichts.
Ich fühle ihn. Ich fühle ihn.
Zart, zart, wie er ist.
Er kitzelt an meiner Haut.
Führt mich nach Haus.
Gibt Zeichen, wann immer der Pfad der richtige ist.
Hier geht’s entlang, es spricht.
Hier geht’s entlang, vergiss es nicht.
Musst folgen, Stück für Stück für Stück.
Auch wenn das Ende du nicht siehst, es ist ein Glück.
Vertraue, richte dich aus.
Der silberne Faden, er führt nach Haus.
Durchs Dunkel führt er allemal.
Hauch, hauchdünn, egal wie groß das All.
Dunkel, Licht, Licht und Dunkel, sie fließen in es hinein.
Der Faden so fein, der Faden so fein,
er führt dich heim.
Ihr Engel, dicht seid ihr.
Führt den Faden mit.
Ihr bildet ihn, in euren Gewändern
verwoben er ist.
Das Lichtgewebe, das Lichtnetz, da ist es wieder.
Klopft an, weht durch, legt sich nieder.
Auf deine Haut, in dein Gemüt.
Oh, wie es glüht!
Danke, ihr Engel! Danke, dass ihr seid!
Führt mich! Führt mich! Seid ganz dicht! Seid dabei!
Der Atem tief er liegt in meiner Brust.
Das Herz, es bebt, zart, fein, es schwebt.
Ich wünsche Licht für alle Menschen,
für alle Menschen hier auf dieser Welt.
Liebe, Licht für sie!
Nehmt sie in eure Arme.
Das Licht, das Licht, damit es sie hält,
damit es sie trägt, über alle Klippen.
Hinauf, hinauf, hinein, hinein,
ins All, tief in die Erde,
das Licht, das Licht, es trägt sie heim.
Wo führt es hin, was es hier spricht?
Ich muss es nicht wissen.
Vertraue, hör ich’s.
Vertraue, es spricht.
Ich füge mich dem Licht.
Nachbetrachtung
Der Faden, von dem hier gesprochen wird, ist ein Sinnbild des Lichts selbst. Er steht für die feine Verbindung zwischen Ursprung und Erscheinung, zwischen dem, was jenseits von Raum und Zeit wirkt, und dem, was hier Gestalt annimmt. So zart, dass er kaum zu sehen ist, trägt er doch alles, was lebt.
Er ist Leitspur und Erinnerung zugleich – Erinnerung an das, was war, bevor ein Wort gesprochen wurde. Ein Klang aus der Tiefe des Lichts, der sich in feine Formen webt. Dieser Faden ist nicht fest, er verlangt keine Anstrengung. Er wird spürbar, wenn das innere Lauschen erwacht.
Er führt, nicht indem er zieht, sondern indem er schwingt. Er antwortet auf Reinheit, auf Offenheit, auf Stille. Wo Dunkelheit erfahren wird, zieht er sich nicht zurück; vielmehr scheint er hindurch, als wolle er daran erinnern, dass Licht und Dunkel aus demselben Ursprung stammen.
Wer diesem Faden folgt, tritt in einen Raum der Hingabe ein. Nicht als Aufgabe, sondern als Einverständnis: sich dem Licht zu überlassen, das führt. Hingabe ist die Bewegung, in der das Persönliche zurücktritt und das Größere durchscheinen darf. So entfaltet sich das, was durch den Faden spricht – still, lauschend, geführt.
In diesem Sinn ist der Faden ein lebendiges Band zwischen Himmel und Erde, Geist und Materie, Ursprung und Ausdruck. Er ist das leise Versprechen, dass nichts verloren gehen kann, was dem Licht gehört. Wer sich ihm anvertraut, wird geführt – sanft, still, und immer heimwärts.