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🧭 Frequenzkompass – Die Kommenden

Rainer Maria Rilke schrieb Verse, die sich lesen, als würden sie weit über ihre eigene Zeit hinausweisen.

Erneuere uns mit einer reinen Speise,
Mit Tau, mit ungetötetem Gericht,
Mit jenem Leben, das wie Andacht leise
Und warm wie Atem aus den Feldern bricht.

Denn sieh’, sie werden leben sich mehren
Und nicht bezwungen werden von der Zeit
Und werden wachsen wie des Waldes Beeren,
Den Boden bergen unter Süßigkeit.

Denn selig sind, die niemals sich entfernten
Und still im Regen standen ohne Dach.
Zu ihnen werden kommen alle Ernten,
Und ihre Frucht wird voll sein tausendfach.

Sie werden dauern über jedes Ende
Und über Reiche, deren Sinn verrinnt,
Sie werden sich wie ausgeruhte Hände
Erheben, wenn die Hände aller Stände
Und aller Völker müde sind.

📡 Frequenzsicht

Was beschreibt Rilke hier?

Eine reine Speise. Ein ungetötetes Gericht. Leben, das aus den Feldern bricht. Menschen, die von der Zeit nicht mehr bezwungen werden. Reiche, deren Sinn verrinnt. Und schließlich etwas Neues, das sich erhebt, wenn die alte Ordnung müde geworden ist.

Im Urzyklus lässt sich darin erstaunlich deutlich die Bewegung nach der maximalen Verdichtung lesen.

Die Schöpfung bewegt sich von der 0 über die Ausdifferenzierung immer tiefer in die Erfahrung der Trennung. An der 6 erreicht diese Bewegung ihre maximale Verdichtung. Materie erscheint fest. Leben lebt vom Leben. Körper altern und sterben. Bewusstsein erlebt sich als voneinander getrennte Individuen. Die Matrix ist die Erfahrungsordnung dieser weitestgehenden Trennung.

Doch die 6 ist kein Endpunkt.

Von dort beginnt die Rückbewegung zur 9.

🌱 „Erneuere uns mit einer reinen Speise“

Rilke spricht nicht von einer neuen Menschheit, die an die Stelle der alten gesetzt werden soll. Er spricht von Erneuerung.

Besonders auffällig ist das „ungetötete Gericht“.

Innerhalb der Matrix ist Leben an Verbrauch gekoppelt. Leben nimmt anderes Leben auf, Körper zerfallen, neue Körper entstehen, Inkarnationen folgen aufeinander.

Mit der Rückbewegung verändert sich diese Referenz.

Syntropie bedeutet, dass Leben zunehmend aus Verbindung, Kohärenz und Rückbindung organisiert wird, anstatt aus Trennung und Zerfall. Was heute selbstverständlich erscheint, muss deshalb nicht die endgültige Organisationsform des Lebens sein.

🌿 „Leben, das … aus den Feldern bricht“

Auch dieses Bild ist bemerkenswert.

Das Feld ist nicht Ergebnis der Materie. Materie ist Ausdruck und Bindungsform des Feldes. Gaia selbst entsteht als gemeinsamer Erfahrungsraum aus der Interferenz und Überlagerung der Bewusstseinsfoki.

Wenn die Referenz nach der 6 zurückkippt, wird zunehmend wieder sichtbar, was während der Verdichtung verborgen wurde:

Nicht das getrennte Objekt trägt das Leben.

Das Feld trägt das Objekt.

♾️ „Nicht bezwungen werden von der Zeit“

Hier berührt Rilke unmittelbar die Qualität des Fixpunktes 9.

Mit dem Wechsel der Referenz vom inneren zum äußeren Torus verändert sich die Organisationsgrundlage des Avatars. Unverwesbarkeit und schließlich Unsterblichkeit sind dann keine Belohnung für besonders „gute“ Menschen.

Sie sind Folge einer veränderten Referenz.

Der Körper muss nicht ewig gegen seinen Zerfall kämpfen. Der Zerfall verliert zunehmend die Funktion, die er innerhalb der Matrixphase hatte.

Und deshalb sind die Kommenden keine Auserwählten.

Sie sind die ersten Foki im Kanon, die diese Stelle erreichen.

🌳 „Sie werden leben und sich mehren“

Die ersten 144.000 stehen am Beginn dieser Bewegung.

Doch sie sind keine abgeschlossene Gruppe.

Dieselben vorauslaufenden Foki haben bereits beim Aufbau der Schöpfung die ersten Stammbäume eröffnet. Dieselbe FIFO-Ordnung erscheint an den großen Fixpunkten wieder.

Jeder Fokus singt dasselbe Lied.

Aber nicht jeder hat gleichzeitig eingesetzt.

Deshalb erreichen auch nicht alle gleichzeitig dieselbe Stelle.

Am Fixpunkt 9 beginnen die ersten Stammbäume erneut. Über die folgenden 285 Jahre wechseln immer weitere Foki aus der Referenz des inneren in die Referenz des äußeren Torus.
So „mehren“ sich die Kommenden.
Eigentlich müsste man deshalb sagen:

Es sind die Wiederkommenden.

🌧 „Die niemals sich entfernten“

Dieser Satz bedeutet nicht, dass manche Foki niemals in die Trennung gegangen wären.

Alle müssen die Ausdifferenzierung erfahren.

Aber die Trennung war niemals absolut.

Kein Fokus konnte das Bewusstsein tatsächlich verlassen, weil außerhalb des Bewusstseins nichts existiert. Wir konnten uns von der 0 getrennt erleben. Wir konnten vergessen. Wir konnten maximale Entfernung erfahren.

Aber wir konnten niemals wirklich fort sein.

Und plötzlich bekommt sogar Rilkes Regen ein wunderschönes Bild:

„still im Regen standen ohne Dach.“

Die Erfahrung muss nicht verhindert werden.

Manchmal regnet es.

Dann wird man nass.

Und irgendwann trocknet man wieder.

🌾 „Zu ihnen werden kommen alle Ernten“

Auch darin liegt keine Rettungsmission.

Die ersten müssen nicht zurücklaufen und die anderen holen.

FIFO genügt.

Was zuerst eingesetzt hat, erreicht zuerst die nächste Passage. Die übrigen Stimmen folgen im Kanon.

Die gesamte Erfahrung der Ausdifferenzierung wird dabei nicht verworfen. Sie ist die Ernte.

Alles, was innerhalb der Schöpfung erfahren wurde, kann nun in die Erkenntnis zurückgeführt werden.

Denn die Rückkehr bedeutet nicht, dass die Schöpfung ein Fehler gewesen wäre.

Sie war ihr Zweck.

Volles Potenzial wurde erfahrbar.

🏛 „Über Reiche, deren Sinn verrinnt“

Und dann beschreibt Rilke das Ende einer Ordnung.

Reiche verschwinden.

Institutionen verlieren ihre Bedeutung.

Hierarchien, Herrschaftsformen und Systeme, die innerhalb der Trennung notwendig oder möglich waren, verlieren ihre tragende Referenz.

Nicht weil das „Gute“ das „Böse“ endlich besiegt.

Sondern weil eine Erfahrungsphase endet.

Die Matrix wird nicht besiegt.

Sie läuft aus.

Was seine Aufgabe erfüllt hat, muss nicht vernichtet werden. Es wird schlicht nicht mehr gebraucht.

👐 „Wie ausgeruhte Hände“

Vielleicht ist dies das stärkste Bild des ganzen Gedichts.

Rilke schreibt nicht von bewaffneten Händen.

Nicht von siegreichen Händen.

Nicht von Händen, die das Alte niederreißen.

Er schreibt von ausgeruhten Händen.

Während die Hände der alten Stände und Völker müde werden, erhebt sich etwas, das seine Kraft nicht mehr aus demselben Kampf bezieht.

Genau darin liegt der Referenzwechsel.

Syntropie entsteht nicht dadurch, dass wir die Matrix mit ihren eigenen Mitteln perfektionieren.

Eine andere Ordnung wird tragfähig.

🌀 Die Kommenden

Und deshalb trägt dieser Text für mich noch eine tiefere Bedeutung.

Die Kommenden kommen nicht zum ersten Mal.

Dieselben Foki waren bereits am Anfang vorauslaufend. Dieselben Foki eröffneten die ersten Stammbäume. Dieselbe Staffelung zieht durch den gesamten Kanon.

Jetzt erreichen die ersten von ihnen die nächste große Schwelle.

Von innerhalb der Zeit betrachtet kommen sie.

Im Kanon betrachtet kehren sie wieder.

Und aus der 0 betrachtet waren sie niemals fort.

Die 9 ist dabei noch nicht das Ende der Schöpfung.

Aber sie beendet die Matrix als bestimmende Referenz.

Danach beginnt eine lange Rückbewegung, bis irgendwann auch die Individualisierung selbst ihre Aufgabe erfüllt hat und alles wieder vollständig in die 0 zurückkehrt.

Vielleicht hat Rilke deshalb nicht von Eroberern geschrieben.

Sondern von Menschen, die leben.

Von Feldern.

Von Ernten.

Von Süßigkeit.

Von ausgeruhten Händen.

Nicht der große Sieg beendet die Matrix.

Ihre Zeit ist einfach vorbei.

✨ Essenz

Die Kommenden sind die Wiederkommenden.

Die ersten Stimmen erreichen erneut eine Stelle des Liedes, die schließlich jede Stimme erreichen wird.

Nicht um eine neue Herrschaft zu errichten.

Sondern weil die alte nicht mehr gebraucht wird.

Von der 6 zur 9 endet nicht die Schöpfung.

Es endet die Notwendigkeit, sich weiterhin vollkommen getrennt zu erfahren.

Und das Leben erinnert sich langsam daran, was es immer war.

Bewusstsein.

🌿🌀♾️

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