Das Gewand des Lichts
Ein weißes Hemd, fein gewoben,
feine Spitze, heilig wie ein Ornament gewebt.
Fließt von unten nach oben,
wie ein Tanz aus silbernen Sicheln,
Fäden, die ineinander ruhen.
Die Sichel des Mondes sich darin zeigt,
vereint das Licht der Sonne im strahlenden Weiß.
Milliardenfach verwoben,
ein Teppich aus Spitze und Gold.
Beim Blick in den Spiegel erkennt sich Priesterschaft im Licht.
Dahinter Engel in ihren Gewändern
begleiten die Zeremonie.
Das Gewand, das sich legt über Schulter und Brust.
Ein Versprechen.
Ein Hemd der Verteidigung des Lichts.
Kriegerschaft –
ist das das richtige Wort,
das in den Mund genommen werden darf
für den heiligen Dienst im Licht.
Das Herz, es pocht,
von innen strahlt aus,
die Sicheln, sie schlagen aus.
Die Sicheln des Mondes
schießen in das All hinaus,
sprengen, sprengen der Erde Lauf,
die hinabstieg und nun steigt wieder auf.
Strömender Laut, strömender Laut.
Umfängt, durchdringt, belebt das Gewand.
Heilige Spannung im All,
in der Luft klingt der Schall.
Bleibt dran, spricht es lautlos.
Engel durchlichten den Faden der Stickerei.
Sind immer dabei, immer dabei.
Verbunden. In Hochzeit.
Ewiglich. Versprochen.
Nun geht’s nach Haus.
Es klingt.
Schau, einfach nur schau.
Erkenne, was immer schon war.
Die heilige Hochzeit, im Licht gewahr,
nach Hause ruft,
in allen Zellen verwoben,
von unten nach oben.
Ist immer schon gewesen.
Versprochen, vor Äonen,
es geht nach Haus.
Ist der Schönheit gewiss,
befreit der Erden Lauf.
Höher, höher,
das Gewand, es löst sich auf.
Verbindet Planeten, Herz und Haut.
Der Mensch erkennt,
er immer Engel war.
Hinabgestiegen aus dem Licht,
sich nun gewahr,
dass alles war Spiel und Ernst zugleich.
Vergessen.
Nun ist’s daheim.
In Stille, reiner Stille
der Faden webt,
der dann für immer ewiglich vergeht.
Nachbetrachtung
In diesem Wortgewebe offenbart sich das Bild eines alchemistischen Gewandes — ein Sakrament aus Licht und Stoff.
Das weiße Hemd ist Symbol und Wesen zugleich: die gewebte Erinnerung an die göttliche Herkunft, das heilige Band zwischen Priesterschaft und Kriegerschaft.
Hier begegnen sich die beiden Pole — das weiblich Empfangende und das männlich Schützende — in einer heiligen Hochzeit, die jenseits der Form geschieht.
Das Gedicht spricht aus der Mitte der Wandlung: vom Mensch, der sich im Spiegel des Lichts als ewig Geistiges erkennt, als Träger und Hüter des Strahlens.
Das alchemistische Werk vollendet sich im Loslassen: das Gewand löst sich auf, doch das Licht bleibt — reine Stille, in der der göttliche Faden vergeht und zugleich ewig webt.