Saman

Es beginnt mit einem tiefen Atemzug. Den niemand hört. In völliger Stille.

Obwohl… Ich höre ihn. Bin ich niemand?


 

Mir jedenfalls ist dieser Atemzug überdeutlich bewußt. Mit einem Gefühl, daß ich zusammen mit der Luft auch Abenteuer, Schönheit, Magie, ein unbekanntes Potenzial in mich einsauge. Und Wahrheit. Da ist eine Wahrheit, die ich noch nicht greifen oder benennen kann. Doch sie ist da. Und das genügt vorerst.


 

Weitere Atemzüge kommen und gehen. Doch sie tragen nicht mehr diesen Zauber des ersten Mals in sich. Sondern eher Bestätigung, Beruhigung für mein leicht aufgeregtes Inneres. Das sich zwar immer auch nach dem Neuen, bisher Unerforschten sehnt. Um dort hinein zu spüren, hinein zu wachsen. Doch gleichzeitg auch das Gewohnte liebt, das Beständigkeit und Geborgenheit schenkt. Einen Halt in all der Haltlosigkeit, weil sich ständig irgendetwas wandelt.


 

Nun sitze ich hier. Allein. Und spüre, daß mit diesem ersten, besonderen Atemzug etwas begonnen hat. Ein Samen in mir gepfanzt wurde. Was wohl daraus erwächst? 


 

Mit meinem Hinwenden, Hineinlauschen, Aufmerksamsein, nähre ich ihn. Das spüre ich deutlich. Es ist wie ein feines Pulsieren, ein leichtes Vibrieren, das jetzt von dem Samenkorn ausgeht. Ja, ein pulsierendes Licht. Lebendig und zart. Sofort ist der Wunsch da, es zu beschützen. Ganz natürlich. Vielleicht eher ein Behüten. Wie ein Vogelküken in der Hand, das man sicher hält, wärmt und sanft streichelt. Und direkt spürt, wie gut ihm das tut.


 

Also ein geheimnisvoller Samen. Energetisch. Der mit einem einmaligen Atemzug in meinen Brustkorb gelangte. Dort nun in der Mitte, meinem Herzzentrum, seinen Platz eingenommen hat.

Seinen Platz?

Ja, es fühlt sich eindeutig so an, dass es genau so richtig ist. Bestimmung. Schicksal. Ein Moment, der eintritt, weil der Weg auf genau dieses Ereignis gerichtet war. Ein Treffen, eine Begegnung, von der mein Verstand nichts wußte. Doch das Herz erkennt solche Momente. Ein tiefes Einatmen, ein langes Ausatmen. Ein Ankommen.


 

Wieder spüre ich in mich hinein. Die Wärme, das Licht, die von dem Samen ausgehen, sind angenehm. Ruhig. Haben sich kreisförmig ein wenig ausgeweitet um eine Mitte, ein Zentrum. Wachstum geschieht. Ganz von allein. Natürlich. 

Ich gebe mich hin. Beobachte. Staune.


 

Jetzt mag ich nicht mehr still sitzen. Habe Lust mich zu bewegen. Der Lichtkreis bewegt sich mit. In mir geankert. Bezeugend, was geschieht. 


 

Ich dehne und strecke meinen Körper. Intuitiv. Spüre ihn so bewußt. Seine einzelnen Teile. Dieses Wunder, das so ein Körper darstellt mit all seinen Funktionen, Abläufen, Möglichkeiten.

Langsam und genüßlich sind meine Bewegungen. Raumgreifend. Mich selbst berührend. Streichelnd. Haltend. Und sofort wieder loslassend. Weiter fließend. Im ständigen Wechsel von Weite und Nähe. Wie ein langsamer Tanz ohne Musik. Mit mir selbst.


 

So etwas Wunderschönes und Intensives habe ich bisher noch nie gemacht. Noch nicht erlebt. Nicht in der Stille. Allein. Mit mir.

Mein Körper scheint genau zu wissen, in welche Richtung er sich ausweiten will. Wieder zusammensinken. Sich befreien. Lösen. Neues hereinholen. Altes abladen. 


 

In wenigen Minuten habe ich jede Stelle meines Körpers berührt. Bewußt. Erweckt. Gestreichelt.

Er fühlt sich nun wach an. Lebendig. Frei. Ruhig. Glücklich.

Ein kompletter Wellness-Urlaub, den ich mir da grade geschenkt habe.


 

Das Energiefeld, das mit einem winzigen Samen begann, dem ein tiefer Atemzug vorausging, umfaßt nun meinen ganzen Körper. Bildet einen weiten Raum um mich herum, der sich wie eine Einladung anfühlt.

Eine Einladung für mein Sein.


 

Frija Birkenherz, 22.8.2026

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